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Kastration Kätzin
01:18, 30/09/2010 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 01:52 30/09/2010 von Sylle.)
Beitrag: #1
Information Kastration Kätzin
Eine junge Katzendame wird meist zwischen 6 und 9 Monaten geschlechtsreif (Ausnahmen bestätigen die Regel Wink ), d. h., sie wird das erste Mal rollig (auch Raunze genannt). Dabei ist sie sehr schmusebedürftig, "rollt" sich über den Boden, reckt das Hinterteil mit meist zuckendem Schwanz nach oben und tretelt auch dabei. Zusätzlich gurrt, miaut und schreit sie quasi am laufenden Band. Bei manchen Kätzinnen ist dieses Verhalten weniger intensiv. Zudem ist die Vagina stark durchblutet, leicht geschwollen und es tritt etwas klares Sekret aus. Daher putzen sie sich dann auch vermehrt zwischen den Beinen.
Eine Rolligkeit dauert in der Regel bis zu 7 Tage. Während dieser Zeit sind sie meist sehr unruhig, fressen wenig und schlafen kaum. Manche Wohnungsmiezen können dann auch aus der Wohnung entkommen, um einen Kater (oder zwei) zum Decken zu finden.
Auch hier folgt die Katze nur den Instinkten der Arterhaltung...animiert durch die Bildung der Geschlechtshormone.
Wird sie nicht gedeckt und danach nicht kastriert, kann es zu Unsauberkeiten und weiteren Verhaltensstörungen kommen. Zudem kann es auch zur Dauerrolligkeit kommen.
Der Deckakt bei Katzen ist weder romantisch, noch erleben sie währenddessen ein Glücksgefühl. Der Penis eines Katers ist mit kleinen Widerhaken besetzt, welche beim Akt den Eisprung bei der Katze auslösen. Dies ist jedoch sehr schmerzhaft für die Katze und dementsprechend verbeißt sich der Kater in ihrem Nacken, um sie besser fixieren zu können. Der Akt dauert nur wenige Sekunden und der Kater sollte sich danach schnell aus dem Staub machen, da er aufgrund der Schmerzen, die er bei der Kätzin verursacht hat, sich durchaus ein paar Hiebe einfangen kann.
Bei erfolgreicher Deckung und bei unproblematischer Trächtigkeit der Kätzin, werden in der Regel 3 bis 8 Katzenwelpen nach etwa 65 Tagen das Licht der Welt erblicken. Es sollte jedoch bewusst sein, dass es nicht nur während der Trächtigkeit und vor Allem während der Geburt zu massiven bis tödlichen Komplikationen (bei Muttertier und Föten) und entsprechend hohen TA-Kosten kommen kann, sondern auch nach der Geburt kann es notwendig werden, den Welpen alle zwei Stunden eine spezielle Aufzuchtsmilch zuzufüttern, wenn sie zu wenig zunehmen.
Katzen sind nicht glücklicher oder zufriedener durch oder nach einer Geburt (leider ein weit verbreitetes Ammenmärchen). Soetwas wie ein Glücksgefühl gibt es bei Katzen nicht. Das Paaren, Gebären und Aufziehen der Jungen ist nicht mehr als ein angeborener Instinkt, die eigene Art nicht aussterben zu lassen.
Die Aufzucht der Kitten ist für das Muttertier extrem stressig - auch, wenn es nicht den Anschein macht.
Dass Katzen nicht vom Aussterben bedroht sind und in langer Voraussicht auch nicht sein werden, dürfte Jedem klar sein.

Jede Raunze bedeutet nicht nur für den Besitzer Stress, sondern besonders auch für die Kätzin. Zusätzlich bringt auch jede Rolligkeit gesundheitliche Risiken für die Katze mit sich. Je öfter sie rollig wird, desto mehr.
Es kann zu Gebärmuttervereiterungen (Pyometra) oder Mammatumoren (bösartige Geschwüre im Gesäuge) kommen. Nicht selten verlaufen diese Erkrankungen tödlich.
Mit einer Kastration vor der ersten Rolligkeit ist dies zu nahezu 100 % ausgeschlossen.
Sollte die Katze am laufenden Bande rollig werden, ist es im Notfall auch möglich, sie während der Raunze zu kastrieren.
Ansonsten empfiehlt es sich, einen Kastrationstermin beim Tierarzt des Vertrauens auszumachen, wenn die Katze gerade rollig ist. Den Termin dann auf etwa eine Woche später legen. Besser wäre noch, die Kleine vor der ersten Rolligkeit kastrieren zu lassen...also in den meisten Fällen mit etwa 6 Monaten...besonders, wenn noch ein (bald) geschlechtsreifer Kater im Haus ist.
Vor dem OP-Termin sollte die Miez mindestens 12 Stunden nichts gefressen, und ein bis zwei Stunden vorher auch nichts mehr getrunken haben. Sie könnte sich sonst während der Narkose erbrechen und an dem Erbrochenen ersticken, da es in die Luftröhre gelangen könnte.

Die Kastration der Kätzin ist ein Routine-Eingriff, vor dem die Katze nochmals eingehend untersucht wird und ihre Vitalfunktionen geprüft werden. Wenn alles in Ordnung ist, wird sie üblicherweise mit einer intramuskulären (i.m.) Narkoseinjektion in den Oberschenkel "schlafen" gelegt. Vollnarkosemethoden mittels intravenöser (i.v.) Injektion oder die Inhalationsnarkose sind ebenfalls möglich.
Nach der Injektion in den Muskel, darf die Katze vorerst wieder in ihre Transportbox, oft wird ein Handtuch oder eine Decke darüber gelegt, damit sie nicht durch äußere Reize abgelenkt wird und schnell "richtig einschlafen" kann. Gegebenenfalls muss noch etwas Narkose nachdosiert werden. Wenn der Lidreflex nicht mehr vorhanden ist und ihre Muskeln nicht mehr angespannt sind, kann sie auf den desinfizierten OP-Tisch gelegt werden. Da sich die Augen während der Narkose nicht schließen und somit vor dem Austrocknen geschützt werden müssen, wird ihr Augensalbe verabreicht. Die Katze wird nun an den Hinterbeinen anhand von Bändern am Tisch fixiert und das OP-Feld (relativ großflächig, in Rechteckform um den "Bauchnabel") wird mit einer Schermaschine geschoren. Der/ die TAH säubert und desinfiziert den Bereich. Jetzt wird die Tischplatte fast immer gekippt, so dass die Katze (senkrecht) kopfüber nach unten hängt. Die Bänder an den Hinterpfoten halten sie. Das ist meist notwendig, damit die inneren Organe, wie z.B. der Darm, nicht das Sichtfeld auf die Eierstöcke, Gebärmutter usw. beeinträchtigen. Evtl. wird ein steriles OP-Tuch mit einer Aussparung für die Operation an der Katze befestigt. Nun macht der/ die TA/ TÄ einen etwa 2 cm-langen Hautschnitt (etwa da, wo der "Bauchnabel" ist). Zwei Klemmen halten die Haut vom Schnitt weg und es erfolgt ein zweiter Schnitt durch die Bauchdecke entlang der Linea alba (Bindegewebsnaht in der Mitte des Bauches). Die Eierstöcke (Ovarien) werden jetzt mittels des Kastrationshakens "gesucht" und am Eileiter (Ovidukt) u.a. herausgezogen. Oft erkennt man dann ein vergrößertes Follikel (Zyste) an Eierstock oder Eileiter. Nun wird der Eierstock (inkl. Zyste) mit biologischem Nahtmaterial von Eileiter und Gebärmutterhorn abgeklemmt und abgebunden und das Ovar wird abgetrennt. Das gleiche geschieht mit dem zweiten Eierstock. Dann wird der Bauchdeckenschnitt mit dem selbstauflösendem Nahtmaterial wieder vernäht und es folgt auch das Zunähen des Hautschnitts mit einem anderen Nahtmaterial (meist ebenfalls resorbierbar). Dazu werden etwa 2 - 4 Nahthefte (je nach Länge des Schnittes) notwendig sein. Dann wird die Wunde noch einmal gesäubert und der Tisch kann nun wieder in die waagerechte Position gekippt werden. Evtl. wird antibakterielles Alu-oder Silberspray auf die Wunde gesprüht und manchmal auch ein Pflaster darauf geklebt oder gar ein Stülpa (Ganzkörperverband) angelegt. Dies ist aber nicht unbedingt notwendig und fängt lediglich noch etwas Wundsekret auf. Für die Wundheilung ist es jedoch von Vorteil, wenn Luft an die Wunde kommt. Davon abgesehen sind Miezen allgemein mit Verbänden oder Pflastern sehr unzufrieden, da sie sehr reinliche Tiere sind und versuchen sich dann oft davon zu befreien.
Manche TÄ verabreichen danach auch eine antibiotische oder schmerzstillende Injektion oder geben genesungsfördernde homöopathische Globuli/ Tropfen auf die Zunge.

Anzumerken ist allerdings noch, dass bei jeder OP mit Vollnarkose eine Narkoserisiko besteht, welches aber umso geringer wird, je kürzer das Tier in Narkose liegt.

Die Katze wird nun wieder in ihre verdunkelte Box gelegt und kann aufwachen. Sie ist, tiermedizinisch gesehen, wach, wenn sie den Lidreflex zurückerlangt hat und das Köpfchen heben kann und kann ab diesem Zeitpunkt vom Besitzer abgeholt werden.

Die Kastration einer Kätzin kostet, abhängig von der Narkosemethode, eventuellen zusätzlichen Injektionen oder Eingaben und des Satzes, nach welchem der TA berechnet (siehe GOT - Gebührenordnung für Tierärzte) etwa 100.- €.

Die völlige Verstoffwechselung der Narkose kann bis zu 24 Stunden dauern. Daher das Tier auf keinen Fall noch am selben Tag füttern (Erstickungsgefahr). Die Box am Besten verschlossen in einen dunklen Raum stellen, wo es warm ist und je nach Zustand der Katze, sie noch einige Zeit in der Box lassen.
Manchmal sind sie auch am nächsten Tag noch etwas wackelig auf den Beinen und ziehen sich zurück, dürfen aber wieder fressen und nach spätestens zwei Tagen dürften sie wieder "normal" sein. Da die Narkose auch einen Körpertemperaturabfall bewirkt, lassen es sich viele gefallen, wenn sie beim Ausdösen zugedeckt werden. Die nächsten 5 Tage sollte vermieden werden, dass sie viel springen. Freigänger, wenn möglich im Haus behalten.
Sobald sich die Katze wieder einigermaßen koordiniert bewegen kann, wird sie sich putzen (vor Allem wegen des fremden Geruchs durch die OP). Ein normales Putzen ist erlaubt, aber ein penetrantes Belecken im Bereich der Wunde oder gar ein Knabbern an den Nahtheften sollte unterbunden werden. Notfalls einen Halskragen vom TA abholen. Mittlerweile gibt es auch spezielle Bodies (ähnlich wie Stülpa), die das verhindern. Die Akzeptanz der Katze bzw. die Arrangierung damit ist aber meist genauso gering, wie bei einem Halskragen.
Sollte die Katze es doch schaffen, sich einen oder alle Fäden zu ziehen (kommt relativ häufig vor, da eine Minute ohne Aufsicht oft schon ausreicht), ist ein erneuter TA-Besuch davon abhängig, wie stark die Hautwunde auseinanderklafft oder ob sich etwas entzündet. Ein etwa stecknadelkopfgroßes Loch stellt meist kein Problem bei der Vernarbung dar.
Gelegentlich kommt es auch zu einer Serom-Bildung (mit Wundflüssigkeit gefüllte Beule) an der Wunde. Meist ist aber eine TA-Kontrolle nicht notwendig, sofern die Beule nicht größer als maximal eine Walnuss ist und wird sich von selbst wieder zurückbilden.
Sollte die Wunde jedoch ein weißliches Sekret (nicht klar) absondern (suppen) oder heiß werden - bitte zum TA gehen.

Die Fäden sollten nach zehn Tagen gezogen werden - auch, wenn sie resorbier sind, da diese sich meist erst nach mehreren Wochen auflösen und immer noch einen Fremdkörper für die Mieze darstellen, es sie stören könnte und die Fäden evtl. auch einwachsen könnten. Das Fäden entfernen ist immer im Preis der Kastration mitinbegriffen, es sei denn, es wird dafür ein anderer TA aufgesucht.
Wer ein ruhiges Händchen und eine Katze hat (und es sich zutraut), die das Zuhause mit sich machen lassen würde, kann die Fäden auch selbst mit einer scharfen Nagelschere entfernen. Dafür eignet es sich am Besten, wenn man zu zweit ist und eine Person die Katze rücklings an Bauch/ Brust hält, mit einer Hand unter den Vorderextremitäten und mit der anderen Hand unter den Hinterextremitäten festhält und sie streckt. Die zweite Person entfernt die Fäden mittels der Schere und schneidet vorsichtig unterhalb des Knotens (relativ dicht an der Haut) in die kleine Fadenlasche. Ist der Faden durchtrennt, die Reste mit den Fingern oder einer stumpfen Pinzette entfernen.
Währenddessen muss die Katze gut von der anderen Person fixiert werden, so dass die Katze nicht zappeln kann und die Person, die die Fäden entfernt, die Katze nicht mit der Schere verletzt.

Etwa 6 Monate nach der Kastration hat sich der Stoffwechsel komplett an das fehlende Produzieren der Geschlechtshormone gewöhnt, was bedeutet, dass dafür keine Energie mehr verwendet werden muss.
Häufig kommt es dann vor, dass sie massiv zunehmen, sofern man sie so weiter füttert, wie bisher...wenn z.B. immer Futter bereitsteht. Oft fressen sie dann auch einfach nur aus Langeweile.
Auch eine Kastrationsfalte ist nicht selten - meist in Verbindung mit einer Bindegewebsschwäche. Dieser kleine "Schwabbelbauch" ist allerdings überhaupt nicht bedenklich.

Gerade bei Freigängern (egal welchen Geschlechts) ist eine Kastration dringend anzuraten. In manchen Regionen - z.B. in Paderborn - ist dies sogar schon Pflicht...und ich hoffe, es folgen noch weitere Bürgermeister diesem Vorbild.
Die stetig wachsende Katzenpopulation stellt ein gewaltiges Problem für den Tierschutz dar.
Denn theoretisch könnten aus nur einem Katzenpärchen, nach zwei Jahren 42 Nachkommen entstanden sein, nach vier Jahren sind es 100.000, nach fünf Jahren 5 Millionen und nach zehn Jahren sind es 240 Millionen.

Liebe Grüße von Sylle, Lille & Wille.
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